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Dr. Rasa Varsackytė
Dr. Mindaugas Balkus

Übersicht über die Geschichte von Kaunas

Die archäologischen Ausgrabungen geben Zeugnis davon, dass der Ort, an dem die Flüsse Nemunas und Neris zusammenfließen, schon seit dem 7.–6. Jh. vor Christus bewohnt wurde. Besonders zahlreiche Funde aus Keramik und von anderen Gegenständen werden auf das 2.–1. Jh. datiert. Zu der Zeit entstanden viele Siedlungen im Gebiet des heutigen Kaunas: Eiguliai, Lampėdžiai, Linkuva, Kaniūkai, Marvelė, Pajiesys, Romainiai, Petrašiūnai, Sargėnai, Veršvai und Santaka, Žaliakalnis.

Zum ersten Mal wird Kaunas 1361 in schriftlichen Quellen erwähnt, als der Deutsche Orden die Vorbereitungen auf den Angriff der Burg von Kaunas trifft. Aber die Geschichte von Kaunas als Stadt fängt 1408 an, nachdem Vytautas der Stadt das Magdeburger Recht verlieh. Somit wurde die Gemeinschaft von persönlich freien und wirtschaftlich unabhängigen Kaufleuten und Handwerkern legitimiert, die direkt dem Herrscher unterstand. Zugleich überließ Vytautas den Stadtbewohnern die Waage, die Wachsmanufaktur und die Zuschneiderei. Mit der Waage wurden die in die Stadt eingeführten Waren oder die zum Versand fertiggestellten Pakete gewogen; in der Wachsmanufaktur wurde die Qualität des Wachses geprüft und es wurde in genormte Stücke gegossen; in der Zuschneiderei erfolgte die Endverarbeitung der Stoffe. Das waren gewinnbringende Monopolbetriebe.

Die juristische und wirtschaftliche Immunität der Stadt Kaunas im Staat wurde später noch durch die Privilegien von Vytautas im Jahre 1415 und von Žygimantas Kęstutaitis im Jahre 1432 bestätigt. Das Privileg von Kazimieras von 1440 erlaubte zudem die Veranstaltung einer achttägigen Kirmes anlässlich Maria Himmelfahrt (am 15.August). Das war eine der ersten Genehmigungen zur Veranstaltung von Jahrmärkten in den Städten. Das Privileg von Kazimieras von 1449 verbot unter anderem den gastierenden Kaufleuten den Kleinhandel in Kaunas. Eine besonders große Bedeutung für die Wirtschaft der Stadt spielte das Privileg von Alexander von 1492: Der Herrscher bestimmte, dass die Gastkaufleute in den Dörfern und Städtchen nicht mit ihren Waren handeln durften, welche nicht das Magdeburger Recht besaßen; der Handel wurde nur in Kaunas und nur mit Stadtbürgern von Kaunas genehmigt. Die Stadtbürger bekamen das Vermittlungsrecht, welches den Handel unter den gastierenden Kaufleuten verbot; die Ware durfte nur an Stadtbürger verkauft und nur von denen gekauft werden. Der Stadt Kaunas wurde schon vorher praktiziertes Lagerrecht bestätigt, welches besagte, dass die fremden Kaufleute wenigstens 3 Tage hier verweilen und ihre Ware den Stadtbürgern anbieten mussten, erst dann durften sie mit ihrer Ware in die anderen Städte des Großfürstentums oder ins Ausland ziehen. Eine Zeit lang gab es in Kaunas einen Zoll. 1441–1532 war in Kaunas auch das Hansekontor tätig, die Tätigkeit der Hanseaten aber wurde stark von den einheimischen Händlern beschränkt. Abgesehen vom Handel entwickelte sich rasch auch das Handwerk: Die ersten vier Manufakturen entstanden in der 2. Hälfte des 16. Jh., Ende des 17. Jh. waren es schon 12, Ende des 18. Jh.– wieder nur 10. Im Laufe des 16.–18. Jh. waren insgesamt 23 Manufakturen tätig, die 36 verschiedene Handwerksbereiche abdeckten, darunter Barbiere, Lotsen, Weber, Schneider, Waffenschmiede, Glasbläser u.a.

Die Macht des selbstverwalteten Kaunas repräsentierten drei eng untereinander verbundene Institutionen – der Stadtverwalter, der Rat oder Magistrat (12 Räte und 4 Bürgermeister) und das Bankgericht (12 Personen). Die Stadtverwaltung residierte im Rathaus, dessen Bau 1542 angefangen wurde.
Es muss erwähnt werden, dass das Wappensiegel von Kaunas, entstanden Anfang des 15. Jhs. unter der Herrschaft von Vytautas, das bis jetzt älteste bekannte Stadtwappensiegel auf dem Territorium des Großfürstentums Litauen ist. Wie schon bekannt, wurde der Stadt Kaunas das Symbol von Taurus verliehen. Durch den Bau der Stadtmauer Anfang des 17. Jhs. wurde die Stadt stärker befestigt und bekam ein europäisches Gesicht. Allerdings konnte der Bau wegen der Kriege und darauf folgenden Krisen nicht zu Ende gebaut werden. Durch die Weiterentwicklung von Militärtechnik und -taktik verlor die Mauer allerdings im 17. Jh. ihre strategische Bedeutung. Die wesentlichen Vorteile der Mauer waren, dass das Leben innerhalb der Stadt sicherer wurde und zahlreiche Raubüberfälle verhinderte.

Kaunas war nicht nur eine Bürgergemeinde, dazu gehörten auch Bojaren und Geistliche. Genau wie in anderen Städten bildeten sie eigene Verwaltungseinheiten, die sog. Jurisdikten, die dem allgemeinen Stadtrecht nicht unterlagen. Die Burg von Kaunas war eine wichtige Staatsinstitution: Hier residierte der Stadtälteste, der vom Herrscher aus den Bojaren bestimmt wurde und den Bezirk von Kaunas verwaltete. Nach dem 2. Statut Litauens und den darauffolgenden Reformen entstand die Selbstverwaltung von Bojaren – sie bildeten ihre eigenen kleinen Sejms (Parlamente), wählten die Abgeordneten und versorgten sie mit Instruktionen. Massenhaft trafen sich die Bojaren in Kaunas in den kleinen Sejms oder in den hier residierenden Burg- und Landgerichten. Es gab zwar keine großen Konflikte zwischen den Stadtbürgern und Bojaren, aber die Bojaren schadeten der Stadt, nachdem sie in der 2. Hälfte des 16. Jhs. das Recht für die Herstellung der Waren zum Export sowie die Rechte für die zollfreie Ausfuhr von Getreide bekommen hatten.

Eine besonders wichtige Rolle in Kaunas spielte auch die katholische Kirche. Eine der ersten Kirchen in Kaunas war die um 1400 vom Großfürsten Vytautas initiierte und den Franziskanern übergebene Hl. Maria-Himmelfahrt-Kirche (heute noch Kirche Vytautas des Großen genannt). Die Gemeindekirche von St. Petrus und Paulus wurde Anfang des 15. Jhs. gebaut. Zum ersten Mal wurde sie 1413 erwähnt. Für die Gemeindekirche sorgten meistens die Stadtbürger, andere Kirchen erfreuten sich öfters der Unterstützung von Bojaren. Ende des 15. Jhs. – Anfang des 16. Jhs. entstanden in Kaunas weitere Kirchen: die Kirche des Hl. Mikalojus (der Großfürst Alexander schenkte sie 1503 der Gemeindekirche von Kaunas; 1621 wurde sie auf Initiative vom Stadtverwalter A. Skorulskis an das vom ihm gegründete Benediktinerkloster übergeben), die Kirche der Hl. Gertrude (der Herrscher schenkte sie 1503 der Gemeindekirche, 1750 wurde die Kirche den Mönchen übergeben), die Kirche des Hl. Jurgis Märtyrers und das Bernardinerkloster. Besonders viele Klöster entstanden in Kaunas im 17. Jh., als Folge der katholischen Reformation und des Barocks. Außerdem schon erwähnten Frauenkloster von Benediktinerinnen entstand 1617 durch Bemühungen des Stadtverwalters A. Masalskis das Zistensienserkloster für Frauen mit der Dreifaltigkeitskirche. Der Bischof von Vilnius Abroamas Vaina erteilte 1639 die Genehmigung für die Tätigkeit der Jesuiten, deren Klosterkomplex in den von den Brüdern Kojalavičiai geschenkten Gebäuden entstand. Die erste Messe wurde in dem vom Orden gekauften Perkūnas-Haus zelebriert. 1649 wurde am Kloster auch die Jesuitenschule gegründet (die später zum Kollegium wurde), und die Jesuitenkirche von dem Hl. Franziskus Ksaver entstand erst nach den Kriegen Mitte des 17. Jhs. Um das Jahr 1641 wurde mit dem Bau des dominikanischen Klosterensembles und der Leibes-Jesu-Kirche begonnen. 1667 fingen die Bauarbeiten der Hl. Jungfrau-Maria-Erscheinung-Kirche und des Kamaldullen-Klosters an, die vom Kanzler des Großfürstentums veranlasst wurden. 1707 kamen auch die barfüßigen oder reformierten Karmeliten nach Kaunas: Am Anfang richteten sie sich in der Kirche des Hl. Elijus und der Hl. Teresa ein, 1770 wurde ihnen die Kirche des Hl. Kreuzes überlassen. An der Gemeindekirche und an den Klostern wurden Schulen gegründet. Die katholischen Kirchen und Klöster gründeten zusammen mit den weltlichen Bürgern verschiedene religiöse Bruderschaften.

1682–1683 haben auch die evangelischen Lutheraner ihre Kirche in Kaunas gebaut, die bis dahin nur ein Gebetshaus hatten (der erste öffentliche lutherische Gottesdienst fand dort 1577 statt). Nach dem Beschluss von Jonas Kazimieras im Jahre 1655 mussten die Lutheraner im Magistrat der Stadt Kaunas ein Viertel der Plätze besetzen, das entsprach in etwa dem Anteil der Lutheraner in der Stadt. Der Großteil der ansässigen Lutheraner war deutscher Abstammung. Sie hatten ihre eigene Schule und eigenes Spital.
Außer den Litauern, Deutschen und Polen siedelten sich in der zweiten Hälfte des 17. Jhs. auch Juden in Kaunas an, deren Aufenthalt in der Stadt im 18. Jh. aber zeitweise verboten war. Daher wohnten die meisten von ihnen im Städtchen Vilijampole, welches der Familie Radvila gehörte. Hier wohnte auch eine kleine Gemeinde von Tataren.

Den größten wirtschaftlichen Aufschwung erlebte Kaunas Ende des 16. Jhs. – Anfang des 17. Jhs. In dieser Zeitperiode entstanden viele neue Ziegelbauten. Ein Schlag für den Wohlstand der Stadt waren die Kriege Mitte des 17. Jhs., die darauf folgende Okkupation und die Pestepidemie. Viele Gebäude wurden zerstört, Handel und Handwerk gerieten in Schwierigkeiten. Die danach fast vollständig wieder aufgebaute Stadt wurde im Nordkrieg von 1701–1707 zum Großteil verbrannt und zerstört. 1708 wüteten Hunger und Pest. 1732 war die Stadt fast wieder aufgebaut, als sie von einem Feuer heimgesucht wurde. Erst im dritten Viertel des 18. Jhs. wurden die Bedingungen für den Handel und das Handwerk etwas günstiger. 1771 begann man mit der Rekonstruktion des Rathauses und der Gemeindekirche. Das stärker gewordene Kaunas, als eine der größten und wichtigsten Städte des Großfürstentums Litauen, nahm wieder teil an den Veränderungen im Lande. Leider fiel Kaunas nach dem Zerfall des Staates im Jahre 1795 an Russland.

Die neue Regierung führte allmählich ihre eigene Ordnung ein: 1808 wurde der Stadtmagistrat durch die Duma aus 6 Personen ersetzt, die bis 1876 tätig war. In dem Jahr zählte die für verschiedene organisatorische Fragen zuständige Duma schon 72 Mitglieder, welche die sog. Stadtverwaltung wählten (ein Exekutivorgan, welches aus Stadtoberhaupt und Verwaltungsmitgliedern bestand). 1812 geriet Kaunas in die Turbulenzen des gerade angefangenen russisch-französischen Krieges: Am 23. Juni überquerte Napoleon I mit etwa 220.000 Soldaten den Fluss Nemunas mit Hilfe von Pontonbrücken. Das Hauptquartier des bis zum 27. Juni in Kaunas weilenden Imperators wurde im Kloster der Karmeliten aufgeschlagen. Am 7. Dezember desselben Jahres erschien Napoleon I erneut in Kaunas – nach der Niederlage in Russland eilte der Imperator zurück nach Frankreich. Sein Heer erreichte Kaunas am 12. Dezember, zwei Tage später aber war die Stadt schon in der Hand russischer Kosaken. Kaunas war die Stadt, in der das französische Heer seine endgültige Katastrophe erfuhr. Die Stadt selbst litt unter beiden Armeen. Besonders wichtig in der Geschichte des 19. Jhs. wurde für die Stadt das Jahr 1843, als Kaunas zum Zentrum des neu gegründeten Guberniums wurde. Im selben Jahr erschien die erste Zeitung von Kaunas Kovenskije gubernskije vedomosti. Um die Zeit wurde das Gymnasium von Kraziai nach Kaunas versetzt, das später zum Jungengymnasium Kaunas wurde (das Jesuitenkollegium existierte in Kaunas bis zum Schließen des Jesuitenordens 1773, danach wurde es in die öffentliche Schule der Edukationskommission umgewandelt). Das Territorium der Stadt verdoppelte sich im Zeitraum von 1843 bis 1869. Um das Jahr 1847 begann man mit dem Bau der Boulevardstraße – des Nikolai-Prospektes (heute Laisves Allee). 1860 wurde die Straße gepflastert. Eine große Bedeutung für die wirtschaftliche Erstarkung von Kaunas hatte der Bau der Eisenbahnstrecke Sankt Petersburg–Warschau in den Jahren 1861–1862. In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. änderte sich das urbane Bild der Stadt: Es wurde in der Neustadt sehr viel gebaut – dem künftigen Verwaltungs- und Handelszentrum. 1864 wurde das Zentrum des Žemaičių-Bistums auf Geheiß der Zarenregierung aus Varniai nach Kaunas verlegt. 1866 haben die Musik- und Literaturfreunde die ersten Konzerte und Literaturabende organisiert, eine Musikgenossenschaft nahm ihre Tätigkeit auf. 1870 wurde in Kaunas eine Genossenschaft für Lesefreunde ins Leben gerufen, die die erste öffentliche Bibliothek in Kaunas gründete. Diese positive Kulturentwicklung wurde jedoch von der russischen Politik gebremst, die jegliche nationale Bewegung unterdrückte. 1879 wurde Kaunas zur Kriegsfestung 1. Klasse der Grenze des russischen Imperiums erklärt. Von 1882 bis zum Ersten Weltkrieg war Kaunas von Verteidigungeinrichtungen, Forts und Batterien umringt, die in Sternform rund um die Stadt eingerichtet wurden. 1895 wurde die Garnisonskirche für die russischen Soldaten eingeweiht. Laut Vertrag mit dem Ingenieur E. O. Dupon aus der Schweiz wurde 1892 die Pferdetram in Betrieb genommen, die zwischen dem Rathausplatz und dem Bahnhof verkehrte. Auch weiterhin wurden neue kulturelle Einrichtungen gegründet. 1892 wurde das Stadttheater mit 500 Plätzen gebaut. Im Rathaus wurde 1898 das Museum der Stadt Kaunas gegründet. Nach der Aufhebung des Verbots für die litauische Presse gab es in Kaunas am Anfang des 20. Jhs. bereits die Buchhandlung von J. Naujalis, die Druckerei von S. Banaitis, litauische Genossenschaften vom Hl. Joseph und der Hl. Zita, das erste litauische Lehrergymnasium von Saule. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Kaunas 1915–1918 von den Deutschen besetzt (trotz großer Bemühungen hielt die Festung von Kaunas nur 11 Tage gegen die Deutschen stand). Nachdem Vilnius nach dem Krieg zuerst durch die Bolschewiken und später durch Polen besetzt wurde, wurde Kaunas von Anfang Januar 1919 bis zum Oktober 1939 zur provisorischen Hauptstadt Litauens. Am 15. Mai 1920 nahm hier der Gründungssejm seine Tätigleit auf, alle staatlichen Institutionen, Botschaften und Konsulate waren hier zu finden. Nachdem Kaunas zum politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum des Landes wurde, blühte es allmählich auf und wurde modern und europäisch. In seinem Buch „Die Eindrücke eines Amerikaners in Litauen“ (1931) schreibt Dr. Margeris-Šeštokas: „Angekommen in Kaunas, erfasst einen das Gefühl, in einer Großstadt zu sein. {...} Nicht nur unterschiedliche Menschentypen, Eile, Intrigen, Skandale, Sensationen, Hotels, Restaurants, Kneipen, Kirchen, Schauspielhaus, Oper, Kinohäuser, Museen, große Schulen mitsamt der Universität, Regierungshäuser, öffentliche Plätze, breite Straßen, viele Polizisten, aber auch das Wetter selbst sagen einem, dass hier das aktuelle Leben einer Großstadt gelebt wird“. Das ganze dritte Jahrzent führte der Bürgermeister Jonas Vileišis (1921–1931) die Stadt Richtung Modernisierung. Seine Arbeit wurde von den Bürgermeistern Antanas Gravrogkas (1932–1933) und Antanas Merkys (1933–1939) fortgesetzt. Die Stadt schmückte sich mit neuen Bauten, alte wurden erneuert. Die Straßen, die früher nicht einmal gepflastert waren, wurden asphaltiert. Brücken wurden gebaut (Aleksotas-Brücke 1929 und Vilijampole–Brücke 1930). Nach Aufzeichnungen aus dem Jahr 1928 konzentrierten sich in Kaunas 13% aller Handels- und 15% aller Industriebetriebe des Landes. 1929 bekam die Stadt eine Wasserleitung. In demselben Jahr wurde die Pferdetram durch den regulären Busverkehr ersetzt. 1931 wurden die Seilbahnen in Zaliakalnis und 1935 in Aleksotas in Betrieb genommen. Das Kulturleben lebte richtig auf. 1920 wurde das Opernhaus eröffnet. 1921 gründete man das Kriegsmuseum, welchem 1930 der Name des Großfürsten Vytautas verliehen wurde. 1922 entstand das staatliche Schauspielhaus. Im selben Jahr wurde die Universität Litauens gegründet, die ab 1930 Vytautas-Magnum-Universität hieß. 1924 fand das erste Sängerfest Litauens statt. 1925 wurde in Kaunas die Gallerie von M. K. Čiurlionis gebaut. 1938 begrüßte Kaunas die ersten nationalen Olympischen Spiele, 1939 wurde die Europameisterschaft im Basketball hier ausgetragen, zu deren Anlass eine Sporthalle für Fünftausend Zuschauer gebaut wurde.

Leider wurde das Leben der Stadt, so wie des ganzen Landes, brutal zerstört. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juni 1940 fand im Präsidentenpalast die letzte Sitzung des Ministerkabinetts statt, in der das Ultimatum der UdSSR-Regierung angenommen wurde. Am 15. Juni 1940 wurde Litauen von der Sowjetunion besetzt. Nach einem Jahr, am 22. Juni 1941, brach der Krieg zwischen der Sowjetunion und Deutschland aus. Schon einen Tag später begann in Kaunas ein von der Aktivistenfront Litauens organisierter Aufstand, der sich bald in ganz Litauen ausbreitete. Durch die besetzte Funkstation verkünden die Aktivisten die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Litauens und die Gründung einer provisorischen Regierung. Die Deutschen marschierten in Kaunas am 25. Juni ein. Schon am 28. Juni befahlen sie die Auflösung aller militärischen litauischen Einheiten, und am 5. August stellte auch die provisorische Regierung ihre Tätigkeit ein. Im Juli 1941 wurden im VII. Fort der Festung von Kaunas 2977 Juden erschossen. Am 15. August wurde das Judenghetto errichtet. Im Oktober wurden im IX. Fort 9200 Häftlinge aus dem Ghetto ermordet. Im November traf es erneuet 5000 Juden, die aus verschiedenen Städten Deutschlands hierher gebracht worden waren. 1943 wurde das Kaunasser Ghetto in ein Konzentrationslager der SS umfunktioniert. Bei ihrem Abzug zwischen dem 8. und 13. Juli 1944 haben die Deutschen das Ghetto liquidiert: Etwa Sechs- bis Siebentausend Juden wurden in die deutschen KZs transportiert, Eintausend sind noch vor Ort ermordet worden; nur etwa 300 jüdische Gefangene konnten sich retten. Die meisten antinazionalsozialistischen, später auch die antisowjetischen Bewegungen konzentrierten sich in Kaunas: das Befreiungskommitee Litauens, die Front der Litauer, der Verband der Freiheitskämpfer Litauens, die Freiheitsarmee der Litauer.

Am 1. August 1944 wurde Kaunas von der sowjetischen Armee besetzt. Es begann die zweite sowjetische Okkupation, und in Kaunas bildete sich der Kern des Widerstandes gegen die sowjetische Besatzung. Nach dem Ausbruch des litauischen Partisanenkrieges agierten in der Umgebung von Kaunas drei einflussreiche Partisanengruppen: Tauras, Auferstehung und der Große Kampf. Im Juli 1945 wurde in Kaunas „Die Deklaration des litauischen Volkes“ verkündet, es erschien „ Der Apell an die Vereinten Nationen und die ganze Kulturwelt“, der an die Beschlüsse der Atlantikcharta erinnerte. Hier wurden wichtige Untergrundzeitungen herausgegeben, wurden konspirative Wohnungen gegründet, wurden Dokumente gefälscht und geheime Lagerstätten für Druckmaschinen eingerichtet. Am Tag der Allerheiligen im Jahre 1955 fand in Kaunas die erste öffentliche Protestdemonstration gegen das sowjetische Regime statt: auf dem Soldatenfriedhof kam es beim Zünden von Kerzen und Singen von Volksliedern zu Zusammenstößen mit der Miliz. Am 14. Mai 1972 verbrannte sich im Park vor dem Musiktheater der neunzehnjährige Romas Kalanta, nachdem er Freiheit für Litauen gerufen hatte. Das führte zu der Suche nach den neuen Widerstandsformen, es begann der allgemeine passive Widerstand in ganz Litauen. Am 1. November 1987 fand in der Altstadt am Grab von Maironis eine nicht genehmigte Versammlung statt, auf der anlässlich des 125. Jubiläums von Maironis der Priester Robertas Grigas und andere Sprecher die sowjetische Zensur verurteilten und die Wiederherstellung des litauischen Staates verlangten. Am 10. Juni 1988 wurde in Kaunas die Sąjūdis–Bewegung gegründet, Herausgeberin der Zeitung Kauno aidas. Auf dem Turm des Kriegsmuseums Vytautas des Großen wurde am 9. Oktober 1988 die litauische Tricolore gehisst. Am 16. Februar 1989 wurde die Freiheitsstatue wiederhergestellt, am 16. Februar 1990 das Denkmal für die Gefallenen für die Freiheit Litauens.

Am 1. September 1989 nahm die Vytautas-Magnum-Universität ihre Tätigkeit wieder auf. In dem wiedergeborenen Litauen wurde Kaunas zur Stadt mit den meisten Studenten. Heute studieren hier bis zu 60.000 Jugendliche. Seit 1991 findet in Kaunas das jährliche Jazzfestival Kaunas Jazz statt. 1993 besuchte Papst John Paul II. Kaunas und zelebrierte die Messe in Santaka. Seit 1996 findet jeden Sommer das bekannte Festival der klassischen Musik in Pažaislis statt. Die Basketballmannschaft aus Kaunas Žalgiris gewann 1998 den Europapokal, 1999 wurde sie Sieger der Euroleague. Seit 1999 feiert man am 20. Mai den Tag der Stadt Kaunas.

Seit 1997 wird alle zwei Jahre die Veranstaltung der modernen Kunst „Biennale von Kaunas“ organisiert.

Im Jahre 2000 wurde in Kaunas der II. Eucharistische Kongress Litauens veranstaltet – das wichtigste Ereignis zum Begehen des Jubiläums von Christentum in Litauen. Seit 2002 findet jährlich das Festival „Die Operette in der Kaunasser Burg“ statt, und seit 2004 – das jährliche Festival der Fotokunst „Kaunas Photo“. 2011 fand das EM-Finale für Basketball in der neuen „Žalgiris“ Arena statt. Im „Tal von Santaka“ werden akademische und wirtschaftliche Kräfte vereint: ab 2014 wirkt hier das Zentrum für die neuesten Technologien auf dem Gebiet der Pharmazie und des Gesundheitswesens, das Wissenschafts- und Technologiezentrum der TU Kaunas sowie der Technologie-Inkubator. Das architektonische Erbe von Kaunas genießt die internationale Anerkennung – 2015 erklärte die Europäische Kommission den Jugendstil von Kaunas in der Zwischenkriegszeit zum kulturellen Erbe Europas. Kaunas bleibt weiterhin ein wichtiges Transport- und Logistikzentrum: 2015 wurde Kaunas an die Eisenbahnverbindung mit der europäischen Spurweite „Rail Baltica“ angeschlossen. Im Jahre 2017 wurde der Stadt Kaunas der Titel der europäischen Kulturhauptstadt 2022 verliehen – ein neuer Impuls, um der Welt die eigenartige Kultur und Kunst von Kaunas vorzustellen.

Einwohner in Kaunas:

Mitte des 16. Jhs. – 7.000–8.000
Mitte des 17. Jhs. – ~ 15.000
1667–1673 – 4.000–4.500
18. Jh. – ~ 4.000
1812 – 3.000
1843 – 14.297
1896 – 67.794 (Stadtbürger – 42.251, Militär – 19.238, Bojaren – 3.137, Bauern – 1.432, Händler – 1.169, Ausländer – 493, Geistliche – 74)
1923 – 92.446 (Litauer – 58,97%)
1959 – 214.348
1970 – 305.100
1980 – 376.000
1984 – 400.000
1990 – 429.800
2001 – 378.943
2005 – 361.930
2017 – 292.691


Literaturverzeichnis:
  • 1. Kaunas: istorija, praeitis, dabartis, Kaunas, 2006.
    2. Kiaupa Z., Kauno miesto savivalda, Darbai ir dienos, Kaunas, 1997, t. 4 (13), p. 19–28.
    3. Kiaupa Z., Lietuvos miestų savivalda XIV–XVIII a., Lietuvos heraldika, sudarytojas ir parengėjas E. Rimša, Vilnius, 1998, [t.] 1, p. 163–185.
    4. Kiaupa Z., Vaito rinkimas Kauno magistrate (XVI–XVIII a.), Lietuvos istorijos metraštis, 1974 metai, Vilnius, 1976, p. 13–18.
    5. Lietuvninkaitė N., Kauno senoji knyga: raiška ir plėtotė 1843–1918 m., Versus Aureus, 2006.
    6. Rimša E., Kauno miesto herbas XV–XX a., Vilnius, 1994.
    7. Rimša E., Lietuvos Didžiosios Kunigaikštystės miestų antspaudai, Vilnius, 1999.
    8. Šeštokas-Margeris, Amerikiečio įspūdžiai Lietuvoje (1931), Kaunas, 1932.
    9. Varsackytė R., Kauno miesto valdžios žmonės XVII–XVIII a., Kauno istorijos metraštis, t. 5, Kaunas, 2004, p. 7–81 (straipsnis parengtas magistro darbo pagrindu).
    10. Urbaitytė R., Kauno amatininkų cechų susikūrimas XVI–XVIII a., Kauno istorijos metraštis, t. 3, Kaunas, 2002, p. 263–273. Straipsnis parengtas bakalauro darbo pagrindu.

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